





20.10.26 –
Am 17. und 18. Oktober 2026 kamen die baden-württembergischen Grünen unter dem Motto „Made in Baden-Württemberg“ zu ihrer 47. Landesdelegiertenkonferenz in Offenburg zusammen. Mit dabei waren auch die Delegierten und Ersatzdelegierten aus dem Kreisverband Pforzheim und Enzkreis: Christine Fischer, Sybilla Hemsing-Lutzeier, Patrick Bäzner, Marc Keil und Raphael Uddin.
Zwei Tage, ein dichtes Programm und viele wichtige Entscheidungen: Der Parteitag stand ganz im Zeichen des Wandels. Nach der gewonnenen Landtagswahl im März und der Wahl von Cem Özdemir zum zweiten grünen Ministerpräsidenten Baden-Württembergs gab es allen Grund zur Freude. Gleichzeitig stellte sich die Frage, wie sich ein in den vergangenen Jahren erheblich gewachsener Landesverband für die Zukunft aufstellt.
Um auch mit steigenden Mitgliederzahlen demokratisch und handlungsfähig zu bleiben, beschlossen die Delegierten wichtige Satzungsänderungen. Dabei ging es unter anderem um die Möglichkeiten einzelner Mitglieder, Anträge einzubringen oder eine Urabstimmung anzustoßen. Ziel ist es, innerparteiliche Beteiligung und wirksame Entscheidungsprozesse miteinander zu verbinden.
Ein weiterer wichtiger Schritt war die Neuwahl des Landesvorstands. Als Nachfolger*in für Lena Schwelling und Pascal Haggenmüller, die nicht erneut kandidierten, wählten die Delegierten mit Clara Wellhäußer (KV Freiburg) und Jan-Lukas Schmitt (KV Heidelberg) eine neue Doppelspitze. Lukas Weber, ebenfalls KV Heidelberg, wurde als Landesschatzmeister bestätigt.
Ebenso wurde der Parteirat neu gewählt. Insgesamt 17 Kandidierende hatten sich auf die 17 zu besetzenden Positionen beworben und wurden für zwei Jahre gewählt.
Neben den organisatorischen Weichenstellungen standen auch inhaltliche Fragen auf der Tagesordnung. So sprachen sich die Delegierten unter anderem für eine Prüfung der Verfassungsmäßigkeit der AfD durch das Bundesverfassungsgericht aus sowie für die Stärkung der digitalen Souveränität unserer Schulen durch den verstärkten Einsatz quelloffener Software. Weitere Anträge betrafen die Förderung von Start-ups zur Schaffung eines Nachtzug-Hubs in BW, die Stärkung der Jugendgremien in den Kommunen und die Aufarbeitung des innerparteilichen Prozesses rund um die Urabstimmung zur Einführung der Palantir-Software in BW.
Auch wenn nicht jeder Antrag eine Mehrheit fand und manche Debatte leidenschaftlich geführt wurde, blieb die Atmosphäre des Parteitags konstruktiv und von gegenseitiger Wertschätzung geprägt. Das Präsidium führte dabei ruhig und souverän durch das anspruchsvolle Programm. Dabei wurde deutlich: Die Grünen waren und sind eine streitbare Partei. Unterschiedliche Positionen gehören zu einer lebendigen Demokratie. Entscheidend ist, dass wir auch bei kontroversen Fragen hart in der Sache diskutieren und einander dabei immer mit Respekt begegnen.
Politische Impulse setzten unter anderem Theresa Fidušek, Landessprecherin der Grünen Jugend Baden-Württemberg, die Bundesvorsitzende Franziska Brantner und Ministerpräsident Cem Özdemir.
Ein besonders bewegender Moment war die Verabschiedung von „Winne“ Hermann. Über Jahrzehnte hat er die Grünen in Baden-Württemberg begleitet, geprägt und politische Verantwortung übernommen.
In seiner Abschiedsrede erinnerte er daran, dass grüne Politik neben ökologischer Verantwortung immer auch eine soziale Dimension haben muss. Dabei fand er deutliche Worte:
„Wir Grünen haben einen großen Wert daraufgelegt, dass wir eine neue Form von sozialer Gerechtigkeit haben. Generationengerechtigkeit, Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern, aber es gibt auch ein Verteilungsproblem in dieser Republik und wir sollten uns nicht scheuen, darüber zu reden.“
Auch die bestehenden Regelungen zur Erbschaft- und Vermögensteuer dürften, so Winne, nicht als unveränderliche Tabus behandelt werden. Damit richtete er den Blick über seinen eigenen Abschied hinaus auf eine grundlegende Frage grüner Politik: Wie verbinden wir ökologische Verantwortung, gesellschaftliche Teilhabe und soziale Gerechtigkeit? Seine Verabschiedung war damit nicht nur ein Rückblick auf Jahrzehnte politischer Arbeit, sondern auch eine Erinnerung daran, welche Fragen die Grünen künftig beschäftigen werden.
„Made in Baden-Württemberg“ stand an diesem Wochenende damit nicht nur für die politische Erfolgsgeschichte der Grünen im Land, sondern auch für die Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam um den richtigen Weg zu ringen.
Mit neuen Gesichtern, klaren Positionen und dem Bewusstsein für unsere gemeinsame Verantwortung gehen die baden-württembergischen Grünen in die nächste Etappe.
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